Eisenmangel Symptome und Folgen

Die Ursachen, Folgen und Entstehung der Symptome eines Eisenmangels

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Wissenschaft-/ Fachautor

Eisenmangel Symptome sind Folgen der häufigsten Mangelerscheinung beim Menschen. Sie äußert sich meist zuerst in anhaltender Müdigkeit, Leistungsschwäche, Konzentrationsstörungen und Reizbarkeit. Körperlich führt er zu Problemen an Haut, Haaren und Nägeln und rissigen Mundwinkeln. All das sind Folgen einer Blutarmut (Eisenmangelanämie), denn das Eisen fehlt vor allem bei der Produktion des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin. Ursache dafür sind in den meisten Fällen Mangelernährung und Menstruationsblutungen.

Mangel im Alter

Eisenmangel Symptome oft bei Senioren © and.one – Fotolia.com

Eisenmangel erkennen und entgegenwirken

Wie entehen Eisenmangel Symptome (Ursachen, Folgen)

Als Eisenmangel bezeichnet man eine Verminderung des Gesamtkörpereisens. Eine Eisenmangelanämie liegt dann vor, wenn die Konzentration des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin unter den Normwert absinkt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert diesen bei Männern bei 13 g/dl und bei Frauen bei 12 g/dl.

 

 

Eisenmangel: Wofür wird Eisen benötigt?

Um Eisenmangel und seine Symptome zu erkennen, muss man die Funktionen und normalen Vorkommen des Eisens im Körper verstehen.

Eisen wird im menschlichen Körper an vielen Stellen gebraucht. Das sogenannte Gesamtkörpereisen liegt zwischen drei und fünf Gramm. Zwei Drittel der Eisenionen finden sich im roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden und der größte Teil des Restes liegt in Form von Speichereisen (Ferritin, Transferrin) vor. Aufgenommen wird Eisen vor allem im Zwölffingerdarm (Duodenum) und den anderen Abschnitten des Dünndarms.

Die wichtigsten Aufgaben sind

  • Sauerstofftransport über den roten Blutfarbstoff.
  • Elektronenübertragungen bei enzymatischen Vorgängen. Eisen liegt als zweiwertiges Fe2+ oder dreiwertiges Fe3+ vor. Durch den Wechsel des Oxidationszustandes werden Elektronen auf andere Moleküle übertragen oder von diesen übernommen. Am wichtigsten sind die Cytochrome der Atmungskette.
  • Enzymatische Vorgänge, bei denen Eisen als Bestandteil von Enzymen fungiert. Bisher wurden über 170 eisenhaltige Enzyme identifiziert. Diese sind unter anderen für DNA-Synthese und Bildung von Botenstoffen im Nervensystem zuständig.

Eisen ist ein Metall und folgerichtig kann es der Mensch nicht selber herstellen. Es handelt sich dabei um ein essenzielles Spurenelement, auf dessen Zufuhr mit der Nahrung wir angewiesen sind. Viel davon in Blut und Muskel bedeutet, dass es vor allem in tierischen Produkten, namentlich Fleisch zu finden ist.

Einmal aufgenommenes Eisen wird sparsam verwendet. Sind die roten Blutzellen so alt, dass sie ausgemustert werden müssen, wird das Eisen aus dem Hämoglobin recycelt und an anderer Stelle wiederverwertet. Was nicht sofort wieder eingebaut wird, wird in speziellen Eisenspeichern und im Knochenmark gespeichert.

Eisenmangelanämie, Eisenmangel Symptome

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Eisenmangel Symptome und Ursachen

Der Ernährungsbericht der Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass weltweit über zwei Milliarden Menschen, also rund ein Viertel der Weltbevölkerung an Eisenmangel leidet. Eisenmangel bedeutet eine negative Eisenbilanz: Es wird mehr Eisen verbraucht oder ausgeschieden als aus der Nahrung aufgenommen wird. Er betrifft vor allem Menschen, die viel Eisen benötigen, davon wenig aus der Nahrung aufnehmen oder viel Blut verlieren. Weitere Gründe sind die Einnahme einiger Medikamente oder bestimmte Krankheiten.

 

Eisenmangel Erhöhter Eisenbedarf

Erhöhten Eisenbedarf haben vor allem

  • Jugendliche in der Pubertät, da der Wachstumsprozess viel Eisen verbraucht.
  • Dadurch benötigen auch Frauen in der Schwangerschaft viel Eisen, das für das Wachstum des Babys verloren geht.
  • Noch in der Stillzeit ist der Eisenbedarf erhöht, da viel Eisen mit der Milch an das Stillkind abgegeben wird.
  • Auch Hochleistungssport erfordert eine verstärkte Eisenversorgung durch Muskelaufbau und erhöhte Blutbildung zur Deckung des Sauerstoffbedarfes.

 

Eisenmangel durch Hohen Eisenverlust

Blutverlust bedeutet Eisenverlust. Dieser betrifft vor allem

  • Frauen während der Menstruation. Rund zwanzig Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind von Eisenmangel betroffen. Durchschnittlich fünfzig Milliliter Blut bedeuten auch den Verlust von rund 25 Milligramm Eisen pro Monat. Aber auch
  • innere Blutungen,
  • Blutungen durch Operationen oder Verletzungen sowie
  • Tumoren oder
  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt führen zu hohen Eisenverlusten. Zu letzteren gehören blutende Hämorrhoiden sowie Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre oder Darmgeschwüre.
  • Blutspenden sind eine gute Sache, aber Sie sollten es wegen der Anämiegefahr damit nicht übertreiben.

 

Eisenmangel durch Verminderte Eisenaufnahme

Verminderte Aufnahme von Eisen aus der Nahrung ist die Folge von

  • Mangelernährung. Oft bei Vegetariern und Veganern, die nicht auf eine ausreichende Eisenversorgung mit ihrer Nahrung achten. Eigentlich enthält pflanzliche Nahrung ausreichend Eisen. Allerdings kann dieses nicht so leicht aufgenommen werden wie das aus tierischer Nahrung.
  • Alkoholmissbrauch führt durch die Leberschädigung zu einer Eisenüberladung des Organs, wogegen es im übrigen Körper fehlt.
  • Magen- und Darmresektionen haben eine verminderte Resorptionsfläche zur Folge.
  • Eisenverwertungsstörungen betreffen die Aktivierung von Eisen aus dem Eisenspeicher des Körpers oder eine gestörte Resorption. Schuld daran ist meistens Hepcidin, ein sogenanntes Akute-Phase-Protein, das bei chronischen Entzündungen eine Rolle spielt. Dazu gehören
    • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn,
    • rheumatoide Arthritis,
    • chronische Herzinsuffizienz,
    • chronische Niereninsuffizienz.
    • Außerdem leiden etwa drei Viertel aller Tumorpatienten unter Strahlen- und Chemotherapie an einer Anämie.

 

Eisenmangel durch Medikamente

Einige Medikamente können einen Eisenmangel hervorrufen. Dazu zählen vor allem

  • Abführmittel,
  • Multivitaminpräparate und Präparate mit Calcium, Magnesium und Zink,
  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac;
  • Blutgerinnungshemmer (Antikoagulantien) wie Heparin und Warfarin,
  • Medikamente zur Magenentsäuerung (Antiazida), die Aluminium, Calcium oder Magnesium enthalten,
  • Cholesterinsenker wie Clofibrate,
  • bestimmte Antibiotika (Ciprofloxacin, Levofloxacin),
  • Biphosphonate zur Behandlung von Osteoporose

 

Eisenmangel durch Erkrankungen

Wie bereits beschrieben nützt die Eisenaufnahme mit der Nahrung nichts, wenn das Eisen im Darm nicht aufgenommen werden kann. Dazu gehören einige Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Zöliakie (glutensensitive Enteropathie, Sprue).

Nierenerkrankungen wie die chronische Niereninsuffizienz führen dazu, dass das Blut nicht mehr ausreichend gereinigt wird. Die angereicherten Giftstoffe führen zu einer verkürzten Lebensdauer der roten Blutkörperchen und dem Fehlen ausreichender Eisenmengen für die Neubildung.

 

Alle Eisenmangel Symptome und Anzeichen

Ein Eisenmangel wirkt sich in erster Linie auf den Blutfarbstoff aus. Die damit verbundenen Symptome beruhen auf dessen Fehlen und damit dem Mangel an Sauerstoff. Die ersten Symptome zeigen sich bereits vor dem Extremfall einer Eisenmangel-Anämie. Diese ist gekennzeichnet durch

  1. eingerissene Mundwinkel (Rhagaden)
  2. schmerzhafte Ausschläge der Mundschleimhaut (Aphthen)
  3. Erschöpfung, Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  4. Leistungseinschränkungen und kognitive Defizite
  5. Burn out-Syndrom
  6. Konzentrationsschwäche und Antriebslosigkeit
  7. Depressionen
  8. Kopfschmerzen und Schwindelgefühl
  9. Schlafstörungen
  10. Restless Legs-Syndrom
  11. Kurzatmigkeit (Dyspnoe) schon bei geringer körperlicher Belastung
  12. Herzrasen (Tachykardie)
  13. Nägel an Fingern und Zehen werden dünn und brüchig, teilweise Hohlnägel (Koilonychie)
  14. die Haut ist blass und trocken
  15. Haare werden dünn, glanzlos und brüchig und fallen aus
  16. die Muskulatur neigt zu Krämpfen und unwillkürlichen Zuckungen

 

Täglicher Bedarf an Eisen bei Eisenmangel Symptomen

Eisenmangel zeigt seine Symptome unso deutlicher, je mehr der durchschnittliche Tagesbedarf unterschritten wird. Der eines Erwachsenen liegt zwischen zehn und fünfzehn Milligramm, der tägliche Verlust bei einem bis zwei Milligramm.

Wie viel Eisen man am Tag benötigt, hängt von mehreren Faktoren ab. Einer davon ist das Alter. Vor allem Kinder im Wachstum und ältere Menschen benötigen mehr Eisen als ein durchschnittlicher Erwachsener. Durch die Menstruation geht Frauen zwischen Menarche und Klimakterium jeden Monat eine Menge Blut und damit Eisen verloren. Auch in Schwangerschaft und Stillzeit wird mehr Eisen verbraucht.

Alter Tagesbedarf in Milligramm
Kleinkinder 8-10
Schulkinder 10-12
Jugendliche 12-15
Männer 10
Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter 10
– in der Schwangerschaft 30
– in der Stillzeit 20
– nach dem Klimakterium 10

 

 

Eisenmangel Symptomen vorbeugen

Meistens kann man dem Eisenmangel und seinen Folgen durch richtige Ernährung vorbeugen. Allerdings muss man darauf achten, dass einige Nahrungsmittel einer Eisenresorption hinderlich sind.

Eisenmangel: Welche Nahrungsmittel enthalten viel Eisen?

Das meiste schnell verfügbare Eisen ist in tierischen Produkten wie Meeresfrüchten und vor allem Fleisch und Innereien enthalten. Spitzenreiter sind Leber- und Blutwurst.

Das Eisen in pflanzlicher Nahrung kann schwerer aufgeschlossen und aufgenommen werden, sodass man mit pflanzlicher Kost mehr davon zuführen muss.

  • Besonders viel Eisen ist in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten sowie Nüssen und Samen wie Kürbis- und Sonnenblumenkernen enthalten.
  • Zu den eisenreichen Gemüsen und Blattgemüsen gehören vor allem Basilikum, Petersilie, Topinambur und Schwarzwurzeln.
  • Obst enthält vor allem in Form von Trockenobst reichlich Eisen.
  • Besonders interessant für die Eisenzufuhr sind auch Hirse, Quinoa und Amaranth, die zunehmend als Superfoods im Lebensmittelhandel erhältlich sind.

 

Eisenmangel: Welche Nahrungsmittel sollte man meiden?

Beim Essen muss man beachten, dass etliche Lebensmittel und Getränke die Eisenaufnahme behindern. Die an und für sich eisenhaltigen Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Mais und Reis enthalten Phytinsäure, die Eisen bindet und so dessen Aufnahme verhindert.

Besonders effektive „Eisenräuber“ sind Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Käse. Milch enthält von Natur aus sogenannte Eisenchelatoren, die das Eisen fest binden. Dadurch schützen sie die Milch vor dem Zugriff der meisten Bakterien, mit Ausnahme der namengebenden Milchsäurebakterien, die diese Hürde überwinden können. Auch hemmt das reichlich enthaltene Calcium die Eisenaufnahme aus dem Darm.

Ebenso hinderlich sind Kaffee, Tee, Kakao und einige Limonaden. Kaffee und schwarzer Tee enthalten Gerbstoffe (Tannine), die die Aufnahme von Eisen verhindern. Für Kakao und leider auch Schokolade gilt das Gleiche für die darin enthaltenen Oxalsäureverbindungen. Ebenso verhält es sich mit der Phosphorsäure, die in vielen Limonaden wie der bekanntesten amerikanischen Brause enthalten ist.

 

Eisenmangel Symptome richtig diagnostizieren

Eisenmangel führt zu Symptomen am Blutbild, die der Arzt in der Regel durch eine Blutuntersuchung feststellt.

  • Der wichtigste Laborparameter ist der Eisenspeicher Ferritin. Es findet sich vor allem in Leber, Milz und Knochenmark und in kleineren Anteilen auch im Blut. Dort kann seine Konzentration bestimmt werden. Der Ferritinwert lässt Rückschlüsse auf das Gesamtkörpereisen zu. Der untere Normwert wird meist mit 10–20 ng/ml, der obere Normwert mit 250–500 mg angegeben. Bei Eisenmangel ist er deutlich erniedrigt.
  • Das Transferrin des Blutserums ist bei Eisenmangel erhöht, ebenso der lösliche Transferrinrezeptor (sTfR).
  • Erniedrigt sind
    • Hämoglobin,
    • Erythrozytenvolumen (MCV),
    • Erythrozytenhämoglobingehalt (MCH) und
    • Anzahl der Retikulozyten.

Wurde ein Eisenmangel festgestellt, ist es wichtig die Ursache herauszufinden. Besonderes Augenmerk muss der Arzt dabei auf Blutungsereignisse legen (Blut in Stuhl oder Urin, Zahnfleischbuten, Nasenbluten). Innere Blutungen etwa infolge Magen- oder Darmgeschwüren müssen mit einer Gastroskopie, Koloskopie oder Abdomensonographie geklärt werden.

Ebenso fragt der Arzt nach besonderer Ernährungsweise und der Einnahme von Medikamenten, die einen Eisenmangel auslösen könnten.

 

Literatur

  1. Cook JD (2005): Diagnosis and management of iron-deficiency anaemia. Best Pract Res Clin Haematol 18:319-332.
  2. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln: G. Herold Verlag (2016). ISBN-10: 3981466063
  3. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart: Springer-Verlag (2012). ISBN-10: 3642331076.